Während Männchen und Weibchen optisch kaum zu unterscheiden sind, wirken Jungtiere mit ihrem einfarbigschmutzigbraun und beigegraufarbenen Gewand noch wenig attraktiv. Ihnen fehlen außerdem die charakteristischen Halsflecke sowie der rötliche Hauch auf dem Brustgefieder.Das Nest ist verhältnismäßig klein und wird von beiden Elternvögeln aus dünnen Ästen und Zweigen in Büschen und Bäumen errichtet. Gelegentlich nutzen sie auch die Nester anderer Vogelarten.Bis in den Juli hinein legt das Weibchen zwei Mal je zwei weiße Eier, nur selten brüten die Tauben auch ein drittes Mal. Die Brutzeit dauert 13 bis 16 Tage. Nach dem Schlüpfen werden die jungen Küken 18 bis 23 Tage lang liebevoll von beiden Eltern umsorgt. Turteltauben verteidigen kein eigenes Revier, sondern nur den unmittelbaren Neststandort. Die Jungen werden zum Ende ihres ersten Lebensjahres geschlechtsreif. Turteltauben sind die einzigen Langstreckenzieher unter den Taubenarten Mitteleuropas. Sie verlassen zwischen Ende Juli und Anfang Oktober Europa, um südlich der Sahara zu überwintern. Wie auch die Langstrecken ziehenden Mauersegler und Neuntöter verbringen sie den überwiegenden Teil des Jahres auf dem Zug und im afrikanischen Überwinterungsgebiet.
Beringungsdaten deuten darauf hin, dass es drei Hauptzugrouten für europäische Turteltauben gibt. Mehr als zwei Drittel der in Frankreich, Deutschland und Großbritannien brütenden Vögel folgen der westlichen Zugroute über Gibraltar. Brutvögel aus dem östlichen Mitteleuropa fliegen zentral über Italien und Malta oder nutzen die östliche Zugroute über den Balkan. Auf dem Herbstzug liegen anstrengende Reise-Etappen vor den kleinen Tauben, deshalb legen sie zum Beispiel vor der Querung des Mittelmeers Pausen ein. Auf afrikanischer Seite übernachten sie dann gern in Akazienwäldchen in Wassernähe, bevor sie mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde bis zu 700 Kilometer nonstop über Sandwüsten durch die Nacht fliegen. Turteltauben bleiben nicht nur ihrem Brutgebiet treu, sondern kehren anscheinend auch in angestammte Überwinterungsgebiete zurück. Das zeigen in Frankreich besenderte Vögel, die in Gambia wiedergefunden wurden.

Im Gegensatz zum nächtlichen Herbstzug fliegen die Tauben im Frühling tagsüber zurück in die Brutgebiete Europas. An wichtigen Rastplätzen wie dem Senegaldelta auf der Westroute versammeln sich mitunter viele Tausend Vögel, um dort Reserven für den kräftezehrenden Heimflug aufzubauen.
Schon während der Brutzeit suchen Turteltauben in Grüppchen nach Nahrung – vor allem an Ackerrändern sowie auf Lichtungen mit offenem Boden und manchmal auch zusammen mit anderen Taubenarten. Sie ernähren sich fast ausschließlich vegan und bevorzugen dabei Wildkräuter- und Baumsamen, wie von Kiefern und Ulmen, die sie vom Boden pickt.
Unserem Jahresvogel schmecken Samen von Klee, Vogelwicke, Erdrauch, Wolfsmilch sowie Leimkraut, die Landwirte nicht auf dem Feld haben wollen. Deshalb hat sich die Nahrungszusammensetzung der Tauben seit den 1960er Jahren verändert. Der Anteil von landwirtschaftlichen Sämereien macht nun in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets mehr als die Hälfte der Nahrung aus statt 20 Prozent wie früher. Vor allem nach der Brutzeit fressen sie vermehrt Sonnenblumenkerne, Raps- und Weizensamen. Turteltauben können 13 Jahre alt werden, doch liegt ihre Überlebensrate bei nur 50 Prozent jährlich. Denn nur jeder vierte bis fünfte Jungvogel überlebt das erste Lebensjahr. Diese hohe natürliche Sterblichkeit wird bei vielen Vögeln eigentlich durch mehrere Bruten im Jahr ausgeglichen. Doch gefährden wir Menschen den Erfolg dieser Überlebensstrategie am meisten. Die EU-Vogelschutzrichtlinie ist das wirksamste Rechtsinstrument zum Erhalt der Vogelbestände in Europa. Jedoch erlaubt sie für 24 Vogelarten die Jagd in der gesamten EU und nach Artikel 7 für weitere 58 in einigen Ländern. Die Turteltaube gehört dazu und darf in zehn EU-Staaten gejagt werden. Die Mitgliedstaaten mit Lizenz müssen dabei eigentlich sicherstellen, dass die Art selbst und Schutzbemühungen für sie nicht gefährdet werden. Dennoch kommen in der EU jährlich mindestens 1,4 bis 2,2 Millionen Turteltauben zum Abschuss. Die offensichtlich viel zu hohen Quoten sind nur ein Defizit der Richtlinie. In Österreich und Frankreich darf bis in die Brutperiode hinein gejagt werden. Besonders gravierend für die Bestandsentwicklung ist die Jagd auf dem Frühjahrszug, denn sie trifft Vögel, die den Winter überlebt haben und bald brüten würden. Eine weitere Gefährdungsursache für den Bestand der Turteltauben ist die Wilderei. Obwohl der Umfang des gesamten Zugvogelmords inzwischen langsam zurückgeht, werden viele Vögel noch immer zum Vergnügen geschossen oder auf Märkten zum Verzehr verkauft. BirdLife International geht davon aus, dass pro Jahr allein mehr als 600.000 Turteltauben im gesamten Mittelmeerraum der illegalen Tötung zum Opfer fallen – entweder in Ländern ohne Jagderlaubnis, außerhalb der erlaubten Jagdzeiten oder mit illegalen Methoden.

Die Turteltaube- Vogel des Jahres 2020

Der ehrenamtliche Vogelschützer Gerhard Föhr, welcher auch das weltweit einzigartige Nistkasten- und Vogelschutzmuseum im oberschwäbischen Ringschnait betreibt, stellt diese Vogelart vor:

Der Gesang der Turteltaube wirkt zarter, aber eintöniger als bei anderen Tauben und lässt sich gut von anderen Vogelstimmen unterscheiden. Ihr namensgebendes, fast schnurrendes, tiefes „turrr-turrr-turrr“-Gurren trägt sie ausdauernd und manchmal tonal wechselnd vor. Wie ihre Verwandten hat auch die Turteltaube eine rundliche Gestalt mit kleinem Kopf. Mit einer Körperlänge von 25 bis 28 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 45 bis 50 Zentimetern ist sie jedoch kleiner und viel graziler. Auch ihre Flügel unterscheiden sich deutlich: Schlank und spitz zulaufend ermöglichen sie einen schnellen Flug für den weiten Zugweg. Am meisten fällt der Jahresvogel 2020 durch sein unverwechselbares farbenfrohes Gefieder auf, das nahezu exotisch anmutet. Vogelfreunde erkennen die Turteltaube gut an ihrem deutlich gestuften, dunklen Schwanz mit weißem Ende. Oberkopf und die äußeren Oberflügeldecken sind blaugrau, ihr Rücken und die inneren Oberflügeldecken hingegen rostbraun mit schwarzen Federmitten gefärbt. Die Halsseiten der Turteltaube ziert jeweils ein schwarz-weiß gestreifter Fleck. Kehle und Brust sind zart rötlich gefärbt. Ein deutlich rötlicher Lidring umrandet das Auge, welches orange bis rot leuchtet.

Turteltaube nabuheft1

Diese Zahl birgt jedoch große Unsicherheiten, da aus vielen Staaten keine oder nur schwer belastbare Daten vorliegen. Die Schwerpunkte liegen in Nahost, Ägypten und, vorwiegend im Frühjahr, auf den Ionischen Inseln in Griechenland. Die Intensivierung der Landwirtschaft verschlechtert die Lebensbedingungen der Turteltaube enorm – ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Jahresvögeln bisher teilt. Die Ausweitung von Anbauflächen geht einher mit dem Verlust von Brachen, Ackersäumen, Feldgehölzen und Kleingewässern. Damit verschwinden Nistplätze sowie entscheidende Nahrungs- und Trinkstellen. Viele Äcker werden dazu verstärkt mit Herbiziden von den verbleibenden „Unkräutern“ befreit. Doch von den Samen genau dieser Ackerwildkräuter ernährt sich unser Jahresvogel. Mangelhafte Nistplätze sowie fehlende oder durch andere Pestizide vergiftete Nahrung sind Hauptgründe für weniger Bruten und eine geringere Überlebenschance des Taubennachwuchses. Zahlen aus England verdeutlichen den großen Einfluss der Situation im Brutgebiet: Wurden 1960 pro Jahr noch 2,1 junge Turteltauben pro Paar flügge, waren es 1990 nur noch 1,3.
Auch in den afrikanischen Überwinterungsgebieten wird Lebensraum vernichtet. Zum einen in der Landwirtschaft, aber auch durch unkontrollierte oder gar illegale Waldrodungen für die Herstellung von Holzkohle, die etwa Nigeria in die EU exportiert. Die Unwägbarkeiten des Klimawandels haben großen Einfluss auf Zugvögel wie Turteltauben. Denn sie sind besonders abhängig von Wasser- und Nahrungsquellen entlang der Zugrouten. Trocknen Oasen in der Sahara aus, fehlen die „Tankstellen“ für den kräftezehrenden Weiterflug. Die Ausbreitung der Wüsten aufgrund ausbleibenden Regens oder der Übernutzung der Lebensräume durch die Bevölkerung könnte den Zugweg für sie noch verlängern.
Ursprünglich lebte die Turteltaube vor allem in Auwäldern und an Waldsäumen sowie Lichtungen. Die bevorzugten Lebensräume der Turteltaube liegen heute entweder in der vom Menschen genutzten Kulturlandschaft oder in lichten Wäldern mit Unterwuchs. Große Sträucher wie Hasel, Weißdorn oder Holunder nutzt sie zum Brüten. Aber auch im Unterbau von Nadelwäldern oder in jungen Laubbäumen lässt sie sich gern zum Nestbau nieder. Neben Waldrändern dienen ihr auch große Hecken und Streuobstwiesen als Versteck oder Brutplatz. In landwirtschaftlich geprägten Gebieten ist ein Mix offener, kultivierter Flächen mit Wasserstellen für die Nahrungssuche ideal. Solche natürlichen Lebensräume sind in unserer intensiv genutzten Landschaft heute rar. Früher habe man ihr markantes Gurren an jedem Dorfrand oder Flussufer gehört, erzählen ältere Menschen. Wildkräutersamen an Feldwegen und die Feldfrüchte aus Zwischensaaten boten ausreichend Nahrung. Inzwischen sind viele Auwaldbereiche, Feldgehölze und Ackersäume verschwunden.

 Es wäre sehr erfreulich, wenn durch diese Wahl als Jahresvogel der Bestand der Turteltaube wieder nach oben geht.

Gerhard Föhr, 1.Vorsitzender NABU Ochsenhausen

 

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Foto: R. Thierfelder - NABU-Magazin Herbst 2019

Foto: BirdLife Malta - NABU-Magazin Herbst 2019

Foto: D. Nill - NABU-Magazin Herbst 2019

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